Bericht über das internationale Meeting 🇱🇺🇫🇷🇩🇪gegen Faschismus und Krieg
Am 22. Juni 2026 jährte sich der Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion zum 85. Mal. Dies nahm der Ortsverein Saar-Blies der Gewerkschaft ver.di zum Anlass, in Zusammenarbeit mit der VVN-BdA Saar und der Peter-Imandt-Gesellschaft in der Rosa-Luxemburg-Stiftung am Vortag ein internationales Meeting gegen Faschismus und Krieg zu organisieren. Das besondere dabei: Die Veranstaltung fand in drei Ländern statt.

Bereits am frühen Morgen trafen sich die saarländischen Teilnehmer:innen, darunter etliche Mitglieder der VVN-BdA, am Sitz von ver.di, um mit dem Bus ins Großherzogtum Luxemburg zu fahren. Dort, in der ehemaligen Stahlstadt Esch-sur-Alzette, wurden sie von luxemburgischen Antifaschist:innen und Friedendfreunden begrüßt, darunter von Fernand Pasqualoni, dem ehemaligen Präsidenten der Luxemburger Arbeiterkammer. Gemeinsam besuchten Luxemburger:innen und Saarländer:innen das neu gestaltete Musée National de la Résistance et des Droits Humains (MNRDH = Nationales Museum des Widerstands und der Menschenrechte). Dieses Museum wurde bereits kurz nach dem Krieg von Antifaschist:innen und Widerstandskämpfer:innen gegründet. Esch wurde als Standort gewählt, weil in dieser Arbeiterstadt der Widerstand gegen die Nazis, die Luxemburg bereits am 10. Mai 1940 besetzten, besonders stark war. Eine Führung durch das Museum ermöglichte in relativ kurzer Zeit einen guten Überblick über die Zeit der Besatzung einschließlich der Judenverfolgung und der Deportation Luxemburger Antifaschist:innen in die deutschen KZ’s, insbesondere in das Lager Hinzert.
Von Esch aus ging es bei sengender Hitze in das lothringische Dorf Guinkirchen, wo bereits französische Freunde warteten. In Guinkirchen gab es auch ein Mittagessen im Dorfgemeinschaftshaus. Hier wurde angesichts der Temperatur von fast 40 Grad beschlossen, das Meeting nicht unter freiem Himmel, sondern im Haus durchzuführen und später am eigentlichen Ziel, dem früheren Zwangsarbeiterlager Ban-Saint-Jean, nur noch die Kranzniederlegung und eine Gedenkminute vorzunehmen.
Bei dem Meeting verwies der Vorsitzende des ver.di Ortsvereins Saar-Blies Rainer Tobae nicht nur auf die historische Bedeutung des Jahrestags, auf die mehr als 27 Millionen Sowjetbürger:innen, darunter 18 Millionen Zvilist:innen und auf die 30.000 Toten, die allein im Lager Ban-Saint-Jean zu beklagen waren. Vielmehr schlug Tobae den Bogen zur heutigen Rüstungs-, Konfrontations- und Kriegspolitik. Als Gewerkschafter hob er besonders den Zusammenhang von milliardenschwerer Hochrüstung und Kriegsvorbereitung einerseits und der Zerschlagung der Sozialsysteme und der Rechte der Arbeitnehmer:innen hervor. Er verwies auf die Beschlüsse des ver.di Bundeskongresses: „ver.di lehnt Kriege als Mittel der Politik grundsätzlich ab. Alle Konflikte zwischen den Staaten müssen auf dem Wege der Verhandlung gelöst werden…“
Für die französischen Friedensfreund:innen und Antifaschist:innen sprach Christine Le Louanac von La France Insoumise (LFI) Grußworte. Sie schilderte, wie auch in Frankreich der Kriegskurs zu Lasten des Sozialen forciert wird und gleichzeitig demokratische Rechte beschnitten werden. Vieles von dem, was der „liberale“ Präsident Macron heute durch das Parlament peitscht, sei die beste Vorarbeit für eine/n rechtsradikalen Präsident/in.
Ernst-Rainer Hertel betonte für die VVN-BdA Saar: „Wir finden es beschämend, dass ausgerechnet am 85. Jahrestags des Überfalls der Hitlertruppen auf die Sowjetunion ein Veteranentag der Bundeswehr stattfindet, an dem die Soldat:innen geehrt werden, die an den völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Auslandseinsätzen und Kriegen der Bundeswehr teilgenommen haben.“ Weiter bemerkte er: „Wir machen uns große Sorgen, dass all das, was heute für Hunderte von Milliarden an Rüstungsgütern produziert wird, nach der nächsten Bundestagswahl einer konservativ-rechtsextremen Regierung in die Hände fällt. Wir machen uns Sorgen, dass repressive Gesetze zur Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, die vorgeblich gegen die AFD gerichtet sind, von einer AFD/CDU-Regierung gegen Linke, Sozialdemokrat:innen und Gewerkschafter:innen eingesetzt werden können.“
Besonders beeindruckend war das Auftreten des Lehrers Gabriel Becker aus Bouzonville. Er war einer der Initiatoren dafür, dass auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers keine Müllverbrennungsanlage entstand, sondern eine Gedenkstätte errichtet wurde. Er schilderte den Alltag der Menschen, die im Lager untergebracht waren. Die meisten Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit in der lothringischen Industrie (die überwiegend von den Nazis übernommen wurde, wie die Stahlindustrie durch den saarländischen Doppel-Kriegsverbrecher Herrmann Röchling) und in der Landwirtschaft eingesetzt. Wer nicht arbeiten konnte, musste unter elenden Verhältnissen im Lager bleiben. Diese Zwangsarbeiter:innen versuchten, durch kleine Bastelarbeiten, oft mit religiösen Motiven (das orthodoxe Kreuz sieht dem Lothringerkreuz ähnlich), als Tauschobjekt für die Bauern ihr karges Dasein etwas aufzubessern.
Nach dem Meeting ging es dann tatsächlich nach Ban-Saint-Jean. Ursprünglich waren hier französische Kasernen gebaut worden, die aufgrund der günstigen Lage Reservekräfte für die Maginot-Linie beherbergen sollten. Nach der Besetzung weiter Teile Frankreichs durch die Nazis wurde Ban Saint Jean zunächst ein Lager für französische Kriegsgefangene, darunter der spätere Präsident Francois Mitterand. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurden in Ban Saint Jean über die gesamte Zeit hinweg ca. 320.000 zivile Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangene aus allen Republiken der Sowjetunion, sowie aus Polen und Serbien interniert. Bis heute sind ukrainische und russische Familien auf der Suche nach ihren Angehörigen, die in diesem Lager inhaftiert waren.
Trotz großer Hitze fand dieser Tag mit einer Zeremonie der Kranzniederlegung und einer Gedenkminute einen würdevollen Abschluss.
Zu ergänzen bleibt, dass sich unter den Teilnehmer:innen aus dem Saarland eine gemischte Gruppe von ukrainischen und russischen Antifaschist:innen und Friedensfreund:innen befand. Die Gruppe „Kraniche“ aus Homburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen über Zwangsarbeiter:innen zu sammeln und zu dokumentieren. Sie sieht darin ihren Beitrag gegen Krieg und Faschismus.
Anmerkung: Zur historischen Einordnung des Überfalls der Hitlerfaschisten auf die Sowjetunion hat unsere Kameradin Dr. Inge Plettenberg am 28.6.26 einen Vortrag in der Kulturwerkstatt Beckingen gehalten.










